Kernenergie als "Brückentechnologie"

[caption id=“attachment_104” align=“alignright” width=“150” caption=“Überzeugende Brückentechnologie”][/caption]

Unter der rot-grünen Bundesregierung wurde im Jahr 2000 mit der Stromindustrie in 20monatiger Verhandlung der Atomkonsens ausgehandelt. Darin wurde im Wesentlichen festgelegt, dass keine neuen Atomkraftwerke gebaut und die Abschaltung von bestehenden Kraftwerken zeitlich geregelt wird. Der Ausstieg sollte keinesfalls von heute auf morgen gehen sondern sah eine Abschaltung bis 2023 vor.

[caption id=“attachment_103” align=“aligncenter” width=“300” caption=“Quelle: @mathiasrichel”][/caption]

Diese Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Stromerzeugern soll nun mit freundlicher Unterstützung der schwarz-gelben Bundesregierung gebrochen werden. Die Laufzeiten werden wesentlich um im Schnitt 12 Jahre verlängert (bei alten Kraftwerken um 8 und bei neuen um 14 Jahre) und verhindern dadurch einen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien. Schließlich entsteht kein Druck, neue Kapazitäten in erneuerbaren Energien zu schaffen und die Netze für die geänderten Anforderungen zu modernisieren, solange der Atomstrom die Grundlast deckt.

Was heißt das für die Stomerzeuger?

Die Stromerzeuger dürfen sich in erster Linie über massive Gewinne freuen.

Etwa eine Million Euro Gewinn - pro Tag

Den hat ein abgeschriebenes Kraftwerk was für fast alle deutschen Atomkraftwerke gilt. Diese Zahl sollte man sich zunächst mal auf der Zunge zergehen lassen. Das macht bei 17 Kraftwerken, 12 Jahren Mehrlaufzeit und 365 Tagen pro Jahr einen MEHR-Gewinn von 74,5Mrd €. Also neben dem Gewinn, den die Kraftwerke auch so schon abwerfen und abgeworfen haben. Das macht schon deutlich, dass es beim Strompreis in Deutschland nicht mit rechten Dingen zugeht und hier Absprachen getroffen werden, mit denen sich die Gewinne der Konzerne maximieren lassen.

Und für den Staat?

Der Staat schöpft einen Teil der Gewinne durch die Brennelementesteuer wieder ab. Eine Steuer von 145€ pro Gramm Uran soll 2,3Mrd € im Jahr einbringen. Die Steuer wird es allerdings nur 6 Jahre lang geben (2011-2016) und was noch viel schlimmer ist: die Zahlungen lassen sich beim Finanzamt steuerlich absetzen, was die Einnahmen des Bundes deutlich verringern dürfte. Außerdem verpflichten sich die Konzerne, einen Teil der Ausgaben für erneuerbare Energien aufzuwenden. Insgesamt soll es nach Schätzungen von Wirtschaftsminister Brüderle zu Einnahmen in Höhe von 30Mrd € kommen.

Von den Konzernen wird es gerne so dargestellt, dass der Staat versucht, sie mit dieser Steuer auszunehmen und sie drohten gar mit einer Abschaltung der Atomkraftwerke. Das kann man aber wahrscheinlich als Machtgehabe abtun. Ich meine wenn mir jemand den Deal vorschlägt, dass ich 74,5Mrd € bekomme und im Laufe der Zeit 30Mrd € bezahlen muss, dann würde ich das tun. Komisch nur, dass bei solchen Gewinnspannen der Strompreis stetig steigt und bei den Kunden nichts davon ankommt…

Aber der Strom ist doch billiger…

Das ist so nicht ganz richtig. Zum Einen stimmt das von den Zahlen her nicht. Jeder, der solche Behauptungen aufstellt, sollte zunächst mal die Strompreise vergleichen. Ich habe festgestellt, dass Ökostrom von Lichtblick bei mir ebenso teuer ist, wie der von den Stadtwerken (ihr könnt euch denken welchen ich jetzt beziehe). Auch auf Seite des Staats sieht das anders aus. Massive finanzielle Subventionen fließen seit Beginn der Nutzung von Kernenergie aus dem Staatshaushalt in die Kassen der Betreiber. Das sind Forschungssubventionen, Bau von Kraftwerken und viele weitere Posten.

Ganz abgesehen von diesen Summen gibt es zwei weitere Punkte auf der Ausgabenseite, die den Betreibern nicht in Rechnung gestellt werden, die jedoch unvorstellbare Beträge erreichen könnten:

[caption id=“” align=“aligncenter” width=“397” caption=““Einlagerung” in der Asse (Foto: Helmholtz Zentrum Muenchen)“][/caption]

Das ist zum Einen die Lagerung von radioaktivem Abfall. Es gibt auf der ganzen Welt kein einziges genehmigtes und betriebsbereites Atommüll-Endlager und alle Versuche, die bis jetzt unternommen wurden, sind fatal gescheitert. Das beste Beispiel ist die Asse, in der leicht- und mittelradioaktiver Müll gelagert werden. Teile von diesem Müll stammen auch aus Atomkraftwerken und wurden zwischen 1967 und 1978 dort gelagert und sollten eigentlich der Erprobung des Standorts dienen. Trotz Warnungen von Experten wurden riesige Mengen von Atommüll eingelagert und müssen nun unter Milliardenaufwand wieder geborgen werden.

Die Behälter liegen teils ungeordnet herum, ein Inventarverzeichnis existiert offenbar nicht.

Aktuell wurde bekannt, dass in der Asse 10x so viel mittelradioaktiver Müll lagert, wie bisher gedacht. Knapp 15.000 Fässer, in denen schwach radioaktiver Abfall vermutet wurde, haben eine Betonummantelung, die darauf schließen lässt, dass sich in ihnen ebenfalls mittelradioaktiver Müll befindet. Dies zeigt erneut, was für ein unglaublicher Pfusch bei Auswahl, Bau und Einlagerung in die Asse begangen wurde, der sich nie wieder beheben lässt.

Die anderen vermeintlich möglichen Endlagerstandorte drohen ebenfalls so fatal zu scheitern und zeigen, dass es keine Möglichkeit gibt, den Müll über Millionen von Jahren sicher zu lagern. Die ganze Sache verspricht also ein Milliardengrab zu werden und für alle neuen Versuche wird selbstverständlich der Steuerzahler aufkommen. Der Industrie kann man solche Kosten nun wirklich nicht ans Bein binden.

Selbst wenn man vom Idealfall ausgeht, dass ein perfekter Standort gefunden wird, dann muss dieser über Millionen von Jahren überwacht und gewartet werden. Das macht alleine für einen einzigen unterbezahlten Türsteher, den man dort platzieren könnte vielleicht 1 Mio Jahre x 30.000€ = 30 Mrd €. Das ist natürlich stark untertrieben für den Aufwand, der für den tatsächlichen Betrieb eines Endlagers getrieben werden müsste und zeigt, um was für gigantische Summen es hier gehen könnte.

Der zweite Punkt sind die Kosten eines etwaigen Unfalls. Man kann natürlich argumentieren, dass wir hier bessere Technologie haben, als in der ehemaligen Sowjetunion, allerdings muss einem auch klar sein, dass es 100% Sicherheit nicht geben kann. Jeder Ingenieur, der etwas anderes behauptet, ist ein Lügner und seines Berufs nicht würdig. Die Ereignisse der letzten Jahre wie in Krümmel zeigen auch, dass da in Deutschland was Störfälle angeht noch deutlich Potential vorhanden ist. Natürlich werden Wartungskosten möglichst gering gehalten und nur das Nötigste für die Sicherheit getan.

Im Falle eines größeren Unfalls müssen die Konzerne lediglich eine Selbstbeteiligung von 2,5Mrd € aufbringen. Den Rest zahlt die Versicherung - nämlich der Steuerzahler. Die Summen, um die es dabei gehen kann, sind nicht ohne: bei einer Kernschmelze gingen Experten 1992 von 5.500 Mrd € aus.

Fazit

Unterm Strich kann man sagen, dass die schwarz-gelbe Regierung das tut, was ich von ihr erwartet habe: Sie macht Politik für die Industrie und wahrscheinlich für die Parteikassen zu Lasten von Umwelt und Steuerzahlern. Und das obwohl die Mehrheit der Deutschen gegen die Laufzeitverlängerung ist - aber hey: wenn man erstmal gewählt ist kann man doch machen was man will. Bleibt zu hoffen, dass die Bürger das nicht vergessen und bei der nächsten Wahl das Kreuz lieber an der richtigen Stelle machen.

Quellen