Lago di garda

Wir fuhren für eine Woche in den Urlaub nach Italien. Das war das erste Mal, dass ich selbst so richtigen™ Urlaub buchte und das auch gleich mit Reisebüro und Halbpension. Es ging an den Gardasee in das Dorf Limone. Das Hotel lag etwas außerhalb an einem Berghang was einen ziemlich ins Schwitzen bringen kann bei den dort vorherrschenden Temperaturen.Rückblickend war die Ausstattung des Hotels ganz akzeptabel (für den Preis) aber wir haben gelernt, dass drei Sterne in Italien keineswegs drei Sternen in Deutschland entsprechen. Es gab zwar sinnfreie Dinge wie ein Telefon neben der Toilette und ein Gerät, mit dem man sich untenrum mit Wasser bespritzen kann, aber die Zimmer waren dafür in keinem allzu guten Zustand.Kulinarisch gab es auch einige Überraschungen. Im Hotel gab es zum Frühstück ausschließlich Instantkaffee (was ich für eine ziemliche Frechheit halte) aber alle stattdessen in Cafés gekauften Kaffeegetränke schmeckten ausgezeichnet und waren noch dazu wahnsinnig günstig (Espresso ab 1€; Cappuccino ab 1,20€).Das Mittag- und Abendessen wird auf der Karte in zwei Kategorien (Primi und Secondi) unterteilt, aus denen scheinbar nacheinander gegessen werden soll. Das würde allerdings dazu führen, dass man für eine einzige Mahlzeit ein Schweinegeld (>30€) ausgäbe und so entschieden wir uns je für ein einzelnes Essen. Pasta fällt fast ausschließlich in die erste Kategorie, in der die Portionen sehr klein sind. Daraus resultiert leider, dass man nie Pasta “zum satt werden” essen konnte. Wer lecker, ausreichend und gleichzeitig günstig essen wollte griff einfach immer zur Pizza. Was mich sehr stark gewundert hat ist, dass man in der Region offensichtlich nicht in der Lage ist, Brötchen oder Brot herzustellen. Aus italienischen Restaurants in Deutschland bin ich leckere luftige Brote mit Olivenöl und Kräutern gewohnt aber in Italien bekamen wir (wirklich ausschließlich!) steinharte, schneeweiße und geschmacksneutrale Backwaren serviert. Insgesamt war das Essen aber sehr lecker und ich hoffe dank fleißigem Schwimmen und Wandern wenigstens nicht zugenommen zu haben.Überraschend war außerdem die Rolle der Polizia locale in den kleinen Ortschaften. Diese ist ausgesprochen freundlich und schaut beim Streife-Gehen in den Läden vorbei und macht ein paar Scherze mit den Besitzern. Man kann sich von ihr sogar abends zum Hotel fahren lassen wenn man den Fußweg dorthin noch nicht kennt und sich im Tunnel nicht von Autos totfahren lassen möchte.Um angemessen auf den Urlaub vorbereitet zu sein kaufte ich vorher ein Buch, das neben Podcasts für seichte Unterhaltung am Strand dienen sollte. Meine Wahl fiel auf Tschick von Wolfgang Herrndorf. Diese Wahl stellte sich als sehr großartig heraus und das Buch sorgte für einige Lacher am Strand und auf der Rückfahrt, während der ich bis kurz vor die Heiserkeit aus dem Roman rezitierte. Dank des sehr kurzweiligen Schreibstils ist es der perfekte Reisebegleiter.Außerdem wollte ich natürlich meine Kamera mitnehmen und zwar nicht nur den Body mit einem Objektiv (wofür ich bereits ein Täschchen habe). Nach zirka einem Tag wildem Recherchieren entschied ich mich für den Lowepro Flipside 300, der sich wirklich bewährt hat. Für die analoge Kamera hat der Platz nicht mehr gereicht aber ansonsten bekommt man von Objektiven über Zubehör bis zum Stativ wirklich alles unter. Auch die Reißverschlüsse auf der Rückseite und das “Bauchladenkonzept” haben sich bewährt.An einem Tag unternahmen wir eine Wandertour in die Berge nebenan und bestiegen einen 3000er 900m hohen Gipfel was bei den Temperaturen und der Qualität der schmalen Wege schon eine ziemliche Herausforderung war. Dafür wurde man sehr schönen Ausblicken belohnt. Die Kamera musste hier allerdings aus energetischen Gründen zu Hause bleiben und nur das Telefon und Tobis Ukulele kamen mit.In Italien bezahlt man (wie auch in Österreich) für das Befahren der Autobahnen. Dafür sind diese aber auch in einem sehr guten Zustand. Problematisch sind allerdings die Mautstationen, die den Fahrzeugdurchsatz der Straßen doch wesentlich verringern. Wenn Touristen mit ihren Autos durch Italien rollen bilden sich an den Mautstationen Staus, die mehrere Kilometer lang sein können. Auf der Hinfahrt standen wir sicherlich 1.5 bis 2 Stunden vor einer solchen Station. Seine Tunnel baut der Italiener gerne ca. 1.5-spurig, lässt sie dann aber in beide Richtungen befahren was zu ziemlichem Nervenkitzel führen kann wenn ein Reisebus um die Kurve geschossen kommt.Insgesamt war der Urlaub sehr schön, das Verhältnis aus Rumrennen und Entspannen war gut und auch die eine Woche war wahrscheinlich eine gute Entscheidung auch wenn man natürlich noch viel mehr hätte ansehen können.