Where No Man Has Gone Before

tl;dr Wir brauchen mehr Geld für Raumfahrt. Jetzt. Außerdem solltet ihr euch [dieses Video](http://media.ccc.de/browse/congress/2013/30C3-5468-en-_saal6-201312281130-_we_only_have_oneearth-drahflow.html) angucken.

Auf dem 30C3 sah ich einen sehr interessanten Vortrag von @drahflow, der sich darin für ein expansionistisches Weltraumprogramm ausspricht. Ich unterstütze seine Forderung, musste aber doch in den letzten Tagen darüber grübeln, warum das eigentlich so ist. Dann fiel mir ein Ausgangspunkt für die Analyse ein: Die philosophische Frage “Wofür machen wir das hier eigentlich alles?”. Im Folgenden ein paar mehr oder weniger sinnvolle Standpunkte, die man dazu beziehen kann. Ich bediene mich dabei schamlos bei den Thesen und Fakten aus dem Vortrag.

1. “For the Lulz”

Der vermutlich simpelste und beinahe kindliche Standpunkt. Ich bin hier zum Spaß und solange das so bleibt ist alles super. Wenn man diesen Standpunkt einnimmt, so können einem andere Menschen egal sein und auch der Zustand der Welt in 100 Jahren ist vollkommen egal. Man hat kein Problem damit, nachfolgenden Generationen Schulden und Atommüll zu hinterlassen, ja man würde vielleicht sogar FDP wählen.

2. “For Our Lulz”

Dieser Standpunkt ist vermutlich eher sozialistisch. Wir sind hier, um es allen so angenehm wie möglich zu machen und jeder hat es verdient, ein glückliches Leben zu führen. Kann man machen, finde ich. Allerdings sagt das immer noch nichts über die Zukunft und unseren Planeten aus. Wir könnten uns die nächsten Jahre einen Heidenspaß machen, alle Ressourcen verbraten und dann den Planeten mit einem Atomkrieg in die Luft jagen. Warum sollten wir das Spiel also immer weiter treiben und Menschen in diese Welt setzen? Wie wird es wohl den Menschen gehen, die irgendwann auf nicht mehr ausreichende Ressourcen treffen? Der Standpunkt ist an dieser Stelle auch unbefriedigend.

3. “Bewahrung der Schöpfung”

Das ist der Standpunkt, dass das, was der Theologe als “Schöpfung” bezeichnen würde, irgendwie großartig und schützenswert ist. Dem kann ich mich anschließen, aber wie genau kriegen wir das hin? Drahflow führt in dem Vortrag sehr schön aus, welche Faktoren dazu führen, dass das hier auf der Erde nicht unbegrenzt gut gehen wird:

  • Die Ressourcen werden immer knapper und das Klima verändert sich drastisch.

  • Menschen drücken auf rote Knöpfe. In den 80er Jahren sind wir da schon mehrfach haarscharf dran vorbeigeschlittert und wer sagt, dass es in den nächsten 200 Jahren nicht wirklich mal passieren wird?

Diese Faktoren kann man zumindest teilweise beeinflussen, aber auch nur, wenn sich alle Menschen wirklich zusammenreißen. Wir müssten sofort mit einer ernsthaften Ressourceneinsparung beginnen und das Klima nachhaltig verbessern. Vermutlich müsste man auch das Wachstum der Weltbevölkerung irgendwie begrenzen. Das ist zwar eigentlich nicht schön, aber bei begrenzten Ressourcen doch unvermeidbar. Alles was wir im Moment so politisch sehen deutet darauf hin, dass wir das global nie im Leben hinbekommen. Selbst konservative Klimaziele werden nicht eingehalten, Verträge werden gebrochen, etc. Dann gibt es außerdem auch noch Faktoren, die uns früher oder später garantiert auf diesem Planeten Probleme bereiten werden:

  • Irgendwann™ wird es kritische Vulkanereignisse geben.

  • Irgendwann™ wird wieder ein Asteroid einschlagen, wie er damals die Dinosaurier ausgelöscht hat.

  • Zu guter Letzt wird die Veränderung der Sonne in 100-500 Mio Jahren dafür sorgen, dass Leben auf der Erde nicht mehr möglich ist.

Das sind Probleme, die wir garantiert nicht in den Griff bekommen, außer wenn sich Bruce Willis aufopfert und den Asteroiden wegsprengt. Diesen Joker haben wir allerdings auch nur einmal. Selbst aus diesem Standpunkt ergibt sich also eigentlich, dass wir von dem schützenswerten Leben hier früher oder später ein Backup anlegen müssen. An dieser stelle greifen die typischen Backupregeln: Möglichst früh möglichst viele Backups an unterschiedlichen Orten machen.

4. “Für Kultur und Technologie”

Für ein erstes Backup würden theoretisch zunächst 50 Menschen, ein paar Pflanzen und ein Pinguin auf dem Mars ausreichen. Wenn man sich allerdings sowieso schon die Mühe macht und in die Weite des Weltalls vordringt, dann kann man auch genauso gut gleich das volle Programm durchziehen und beginnen, andere Planeten so richtig zu bevölkern. Ergänzend zu dem “einfachen” Leben gibt es nämlich noch etwas, das die Menschheit selbst erschaffen hat und das sind Kultur und Technologie. Drahflow macht die einfache Rechnung auf, dass mehr Menschen automatisch zu mehr Kultur (mehr Katzenbildchen \o/) und schnellerer Forschung und Entwicklung führen. Ich habe keine Ahnung, ob das wirklich der Fall ist, aber grundsätzlich halte ich das für einleuchtend. Wenn wir weitere Planeten besiedeln, dann sind wir in der Lage, unsere Bevölkerung stärker zu vergrößern und Kultur und Forschung schneller voran zu treiben. Außerdem können wir dann das Universum erkunden und treffen irgendwann vielleicht gar auf intelligentes Leben, mit dem wir uns austauschen können.

Ergo

Wenn ich das so betrachte, dann gibt es tatsächlich keinen Ausweg, als früher oder später mit Kolonien in das Weltall vorzudringen. Außerdem sehe ich keinen guten Grund, warum man das auf später verschieben sollte. Abgesehen von so Kleinigkeiten wie fehlender Technologie vielleicht, aber das kriegen wir durch Forschung sicher hin. Zumindest wenn wir endlich mal einen signifikanten Anteil unserer Arbeitskraft darin investieren. Zu guter Letzt gibt es da schließlich auch noch diesen kleinen Standpunkt 1 vertretenden Teil in mir, der es verdammt noch mal erleben will, dass zu seiner Lebzeit Menschen auf dem Mars landen.