Die Legende vom gut recherchierten Beitrag

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Gestern abend habe ich im ZDF mal wieder Frontal 21 geschaut. Eine Sendung, die ich für ihre unabhängige und enthüllende Berichterstattung eigentlich sehr schätze. Dann kam jedoch der Beitrag “Die Legende vom Spritsparen” (Mediathek).  Dort wurden aktuelle Fahrzeuge von BMW, Mercedes und VW mit wesentlich älteren Modellen des selben Herstellers bei einer 100km Fahrt durch die Innenstadt verglichen. Der Vergleich bezog sich jedoch ausschließlich auf den Spritverbrauch.

Ein 5er BMW verbrauchte 9,1 Liter im Vergleich zum 10 Jahre älteren Vorgänger, der 11 Liter benötigte. Ohne Zweifel keine berauschenden Werte, meiner Meinung nach jedoch für einen Benziner mit 200 PS und ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse ein normaler Wert. Im Bericht wurde es jedoch so hingestellt, als ob kein Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger stattgefunden hätte. Axel Friedrich vom Umweltbundesamt ließ sich sogar zu der folgenden Aussage verleiten:

Es geht mit der Hälfte auch, ein solches Fahrzeug im Stadtverkehr zubetreiben.

Das Fahrzeug möchte ich gerne mal sehen, das für 5 Personen Platz hat und 4,5 Liter Benzin in der Stadt verbraucht.

Im letzten Vergleich tritt ein Golf 6 BlueMotion gegen einen 82’er Golf an. Hier verbraucht das neue Modell mit 4,9l Diesel “sogar” mehr, als der alte Golf mit 4,0l. Kommentar:

Ein irgendwie blamables Ergebnis für Volkswagen und seinen Entwicklungschef.

Vergessen wurde bei der Recherche allerdings, dass es in der Zwischenzeit wesentliche Entwicklungen im Komfort- (Klimaanlage, Entertainment, …) sowie Sicherheitsbereich (Airbags, steifere Karosse) gemacht wurden. Diese erhöhen nicht nur den Stromverbrauch (und damit auch den Spritverbrauch) sondern führen auch zu einem erhöhten Fahrzeuggewicht. In diesem Fall geschätzte 500kg. Zu dieser Tatsache kein einziges Wort im Bericht. Neu entwickelte Motoren schaffen es nicht, diese Veränderungen komplett zu kompensieren. Dennoch denke ich, dass sich auch in diesem Bereich einiges getan hat. Mir ist dieses Thema nicht wichtig, weil ich bei einem großen Wolfsburger Automobilhersteller arbeite, oder weil ich Verbrennungsmotoren in Schutz nehmen möchte.

Ich finde wir sollten so schnell wie möglich das Problem der Energiespeicherung lösen und auf Elektroantriebe umsteigen. Man kann jedoch nicht behaupten, dass in den letzten 20 Jahren keine Entwicklungen im Bereich der Verbrennungsmotoren stattgefunden hätten und einen Golf 6 mit einem alten Golf vergleichen. Von Frontal 21 wünsche ich mir wieder die gewohnte hohe Beitragsqualität.