Depublizieren

So langsam wird deutlich, was für Auswirkungen der neue Rundfunkstaatsvertrag eigentlich hat. Der im FAZ Artikel beschriebene Irrsinn zeigt nun auch für mich die ersten sichtbaren Folgen: Links auf tagesschau.de funktionieren auf einmal nicht mehr und viel gehörte Podcasts wie der vom Bluemoon auf Fritz bieten nur noch die letzten Folgen an, die man dann schnell runterladen muss, bevor sie nicht mehr verfügbar sind. Also schnell runterladen und später anhören. Aber was dann? Ich will doch keine lokale Podcast-Sammlung auf meinem Rechner aufmachen. Das ist doch gerade der Charme vom Internet, dass ich ein Online-Archiv habe, in dem ich Sachen on-demand abrufen kann.

[caption id=“” align=“alignright” width=“269” caption=“Die Internetkompetenz der Bundesregierung”][/caption]

Ich gehe mal stark davon aus, dass das nachträgliche Weiterverbreiten von Inhalten der Öffentlich-Rechtlichen selbstverständlich illegal ist und somit bleibt nur darauf zu hoffen, dass bald eine neue Regierung einen Hauch von Internetkompetenz erweisen wird und die zurückgehaltenen Inhalte wieder veröffentlicht werden.

Gründe fürs Depublizieren gibt es eigentlich kaum. Die Angebote sind darauf vorbereitet, Massen an Content zu verbreiten und Speicherplatz kann wohl auch kein ein Argument sein. Kaum bekommt man also für seine 18€ Rundfunkgebühren endlich eine halbwegs funktionierende Mediathek und Podcasts geboten, schon werden die Inhalte zeitlich massiv eingeschränkt.

Und wer gewinnt an der ganzen Sache? Die privaten Sender und die Content-Mafia können natürlich weiterhin ihre Billigproduktionen im Internet veröffentlichen und müssen sich keine Sorgen machen, dass es ein hochwertiges und werbefreies Alternativprogramm gibt.

[caption id=“” align=“aligncenter” width=“384” caption=“Auf dem Holzweg”][/caption]

Verlieren tut die kulturelle Vielfalt und das Angebot, das der Nutzer konsumieren kann. Im Tagesschaublog schrieb Jörg Sadrozinski einen merkbar unzufriedenen Post über das Depublizieren. Darin verweist er auf Wikileaks als einen möglichen Hafen für depublizierte Inhalte. Das ist natürlich kein Content, das Wikileaks veröffentlichen würde aber es kann als Hilfeschrei eines Mitarbeiters gewertet werden, der versucht, sich gegen die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu wehren. In den Kommentaren zum Artikel wird vorgeschlagen, dass die Inhalte doch einfach als Creative Commons veröffentlicht werden könnten. Sicherlich ist das nicht einfach umzusetzen aber meiner Meinung nach wäre das eine sehr schöne Wunschvorstellung, zu der wir einmal hinkommen könnten.

Nicht betroffen von diesen ganzen unverständlichen Problemen der Nerds und Geeks sind Omi und Opi aus der analogen Welt, sowie wahrscheinlich 90% des Bundestages. Sie können sich bei Sendungen, die sie verpasst haben, natürlich weiterhin gegen einen kleinen Unkostenbeitrag (beim WDR lediglich 33€ für 30min) beim Mitschnittservice die letzte Folge vom Musikantenstadl wunderschön verkrisselt auf VHS zusenden lassen.