I shot analogue - and I liked it

Seit einer ganzen Weile schon liegt die alte Spiegelreflexkamera meines Vaters in meinem Regal. Eine Ricoh TLS401 mit zwei Objektiven, von denen eines ein 50mm f/1.4 ist. Vor zwei Wochen konnte ich mich endlich aufraffen, Film zu kaufen und mich mit der grundsätzlichen Funktion auseinanderzusetzen. Ich fand heraus, an welchen Hebelchen man wann und wie drehen muss und dass die Kamera einen batteriebetriebenen Belichtungsmesser enthält. Dieser kann allerdings nur die Blende bei fester Belichtungszeit einstellen. Da ich aber meist die Blende kontrollieren möchte entschied ich mich für komplett manuelle Bedienung. So musste ich mir auch keine Gedanken um die möglicherweise leere Batterie machen.Als wir schließlich nach Braunschweig fuhren, um Iron Sky zu gucken (großartiger Film übrigens), nahm ich die Kamera mit und wir machten vorher einen Spaziergang. Mit dem iPhone maß ich grob die Belichtungseinstellungen und fummelte dann an der Kamera herum. Zum Glück entschied ich mich vorher für Film mit ISO125. Wenn man nahe der Offenblende fotografieren will bleibt einem nämlich nichts anderes übrig. Die minimale Belichtungszeit liegt nur bei 11000 und schnell mal an der ISO schrauben funktioniert hier nicht.Ich hatte sehr viel Spaß am analogen Fotografieren. Das ständige Messen, Einstellen, Abdrücken und Vorspulen lässt einen viel mehr nachdenken. Die nicht vorhandene Möglichkeit, direkt Fotos zu überprüfen war zunächst frustrierend, machte dann aber doch einen großen Reiz aus. Ich hatte aber bis zum Schluss Angst, irgendwas falsch bedient zu haben und dass der ganze Film im Eimer ist.Außerdem ist es Verschwendung, einen halbvollen Film bereits zu entwickeln. Daher ging ich noch auf eine zweite Tour durch Wolfsburg, um die letzten Bilder zu schießen.Erst gestern konnte ich die entwickelten Fotos im Drogeriemarkt meines Vertrauens abholen und es fühlte ein wenig wie Weihnachten. Zu meiner Überraschung sind tatsächlich alle Fotos etwas geworden. Teilweise sind sie unspektakulär und langweilig, aber nie schlecht belichtet oder so. Leider erfährt man allerdings nicht, was bei der Entwicklung so gemacht wurde. Wenn dort nachträglich stark belichtet wurde, weil ich zu dunkel fotografiert habe, würde mich das schon interessieren.Tatsächlich gewundert hat mich, dass die Fotos eine relativ starke Körnung haben. Ich hätte gedacht, dass das wie in der digitalen Fotografie bei so niedrigen ISO-Werten kaum auftritt. Es scheint aber auch nur im unscharfen Bereich so stark zu sein. Wie das kommt ist mir leider noch vollkommen unklar, sieht aber interessant aus.

Lessons learned

Analog Fotografieren macht Spaß und ich werde direkt neuen Film bestellen. Man muss sich mehr Zeit nehmen und die Herausforderung ist größer, aber es ist auch unheimlich spannend. Insgesamt ist es allerdings doch relativ teuer. Alleine die Entwicklung inklusive Foto-CD von 24 Bildern kostete 11€. Wo wir gerade von Foto-CDs sprechen: Die sind lächerlich und ich werde sie nie wieder kaufen. Die Bilder kommen mit einer grandiosen Auflösung von 1536x1024. Da kann ich die Fotos bald mit dem Handy abfotografieren. Außerdem wirken die Bilder am Bildschirm irgendwie nicht so schön wie ausgedruckt. Eigenartig aber wahr.