Ecosia - die grüne Suchmaschine?

[caption id=“” align=“alignright” width=“300” caption=“Image via Wikipedia”]WWFbalaobrasilia22032007[/caption]

Ihr, die ihr “zwischen den Ohren mitdenkt” und Ecosia verwendet und dem bösen Google den Mittelfinger zeigt, habt euch bestimmt auch wenigstens vorher den Wikipedia-Artikel dazu durchgelesen oder? Ich habe die ganze Sache bis jetzt nicht ernst genommen, da ich das für Augenwischerei halte. Heute habe ich mir das Konzept dann doch mal näher angeschaut und einige interessante Fakten gefunden.

“Ecosia wird mit Ökostrom betrieben” Zunächst mal ist Ecosia keine Suchmaschine sondern vielmehr eine andere Oberfläche für Yahoo/Bing.  Die Suchanfragen gehen weiterhin an diese Anbieter und werden nur in Ecosia dargestellt. Lediglich die Server von Ecosia werden mit Ökostrom betrieben (also der Teil, der für den Suchmaschinen-Nutzer sowieso überflüssig ist). Die eigentlichen Suchergebnisse werden von Yahoo/Bing bereitgestellt, für deren Server dies natürlich nicht gilt.

Rettet den Regenwald! Ecosia wirbt damit, dass mit jeder Suchanfrage 2m^2 Regenwald gerettet würden. Das ist so schlicht falsch. Ecosia blendet Werbung, die von Yahoo/Bing kommt, in die Suchergebnisse ein und jeder Klick auf die Werbung bringt dem Betreiber Geld. Ein Teil dieses Geldes fließt an Ecosia und von diesem Teil werden 80% verwendet, um ein WWF-Projekt zur Rettung des Regenwalds zu fördern. Der andere Teil des Geldes bleibt bei denjenigen, die die Suchergebnisse bereitstellen - also Yahoo/Bing. Wer nur mit Ecosia sucht und nicht auf Werbung klickt rettet keinen einzigen Quadratmillimeter Regenwald, sorgt aber dafür, dass, wie bei jeder anderen Suchmaschine auch, CO2 ausgestoßen wird. Ich persönlich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal in einer Suchmaschine auf Werbung geklickt habe und werde das bestimmt auch nicht in Zukunft tun.

Das böse Google und die Klimahelden Mein Eindruck, dass die ganze Ecosia-Geschichte ziemlich anrüchig ist, hat sich für mich bestätigt. Es scheint, dass das Projekt von Yahoo/Bing genutzt wird, um sich selbst ein positives ökologisches Image zu geben. Dadurch will man wahrscheinlich von seinen zweitklassigen Suchalgorithmen und dem Abkupfern bei Google ablenken. Nicht einmal die Suchergebnisse und die Werbung werden kostenlos zur Verfügung gestellt sondern hier kassieren Yahoo/Bing einen Teil der Einnahmen der Ecosia-Betreiber ab.

Im Gegensatz zu Yahoo/Bing zeigt Google Bemühungen, seine Stromverbräuche zunächst zumindest teilweise mit Ökostrom zu decken.

Wer also wirklich umweltfreundlich suchen will kann sich ohne Bedenken die technisch beste Suchmaschine aussuchen (in meinem Fall ist das definitiv Google) und braucht sich über seine Suchanfragen keine Gedanken machen. Wer durch Werbeklicks Geld an den WWF spenden will kann dann zusätzlich mit Günther Jauch ein Bier trinken Werbung bei Ecosia klicken oder wenn er darauf keine Lust hat spart sich die Zeit und denkt über eine Spende nach. Die aussichtsreichste Methode, um CO2 einzusparen ist wahrscheinlich, seinen eigenen Strom auf Ökostrom umzustellen.

Diese Informationen stammen aus dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel und werden in den FAQs von Ecosia bestätigt.

Interessante Info am Rande: Ecosia gibt an, auch den CO2-Ausstoß, der bei Yahoo/Bing für die Suchanfragen anfällt, auszugleichen. Dafür kaufen sie Emissionszertifikate und zwischen August-Oktober 2010 waren das für 34Mio Suchanfragen ganze 108,76 Pfund. Das heißt für mich jetzt entweder, dass hier nur ein Teil ausgeglichen wird oder, dass das ganze WAAAAH-DAS-INTERNET-VERBRAUCHT-TOTAL-VIEL-STROM-UND-WIR-WERDEN-ALLE-STERBEN nur Panikmache ist. Im zweiten Fall bin ich dann gerne bereit, jährlich Zertifikate für 2,50€ zu kaufen und damit den CO2-Ausstoß aller Suchanfragen von mir und dem ganzen Stadtteil zu kompensieren.