Maskulismus oder Feminismus?

Mir sind in den letzten Monaten an vielen Stellen Diskussionen und Thesen aufgefallen, die sich mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau beschäftigt haben. Ich habe eigentlich eine ziemlich definierte Meinung zum Thema und möchte in diesem Post meine Argumente näher erläutern.

Auslöser für mich war Folge 14 des NSFW Podcasts mit @timpritlove und @holgi, in dem sich letzterer ausgiebig über die Bewegung des Maskulismus lustig macht. Zugegebenermaßen war mir dieser Begriff vorher noch nicht bekannt und durch Lesen des Artikels in der deutschen Wikipedia (ja er wurde tatsächlich noch nicht gelöscht!) habe ich festgestellt, dass ich da doch in ziemlich vielen Punkten übereinstimme.

Aber von Anfang an: Ich bin der festen Überzeugung, dass es eine Diskriminierung von Frauen in der Gesellschaft gibt, die ich verachte und gerne nach meinen Möglichkeiten verhindern möchte. Es ist richtig, dass Frauen in vielen Berufsgruppen benachteiligt werden und auch oft geringere Gehälter bekommen. Außerdem ist Sexismus weit verbreitet und es ist wirklich nicht schön, was sich so manche Frau anhören muss oder was in den Medien verbreitet wird. Da bin ich voll auf einer Linie mit FeministInnen.

Ein interessante These zu der Aussage, dass Frauen unter Managern nur einen geringen Prozentsatz ausmachen ist die, dass dies durch unterschiedliche Gründe in der Berufswahl zu Stande kommt. Frauen können zum Glück mittlerweile ihren Beruf frei wählen und viele tun dies auch. Sie machen gute Schulabschlüsse und suchen sich einen Job, zu dem sie sich berufen fühlen, und schauen nicht in erster Linie auf das Gehalt (bestätigt wird dies durch Sätze wie “Und wenn es nicht klappt dann heirate ich halt reich!”). Bei Männern hingegen gibt es ein anderes Verhalten bei der Berufswahl. Natürlich sind hier auch Interessen wichtig aber außerdem spielt der gesellschaftliche Druck eine Rolle, dass man ja schließlich mal eine Familie ernähren müsste. Dies könnte eine Erklärung für die nicht von der Hand zu weisenden Quoten sein, die ich hier einfach mal im Raum stehen lassen möchte.

Bei fast allen Stellen, an denen Frauen diskriminiert werden, zeigt sich, dass diese nicht staatlicher oder wirtschaftlicher, sondern vielmehr gesellschaftlicher Natur sind. Sie sind nicht auf dem Papier geschrieben, sondern in den Köpfen von viel zu vielen Menschen vorhanden und es besteht die Hoffnung, dass sie ganz natürlich in den nächsten Jahrzehnten verschwinden können.

Auf der anderen Seite gibt es einige Stellen, an denen tatsächlich auch Männer diskriminiert werden. Ich möchte hier einige aufführen:

Bei einer Scheidung erhalten Mütter laut statistischem Bundesamt 11mal häufiger das Sorgerecht, als Väter. Laut BGB §1626a haben unverheiratete Mütter automatisch das alleinige Sorgerecht.

Männer müssen Wehrdienst oder Zivildienst leisten, über dessen Sinn und Unsinn man sich natürlich streiten kann. Auf jeden Fall ist dies eine Nicht-Gleichbehandlung, die fest in den Gesetzen verankert ist und viele männliche Schulabgänger um ein (weiteres) Jahr nach hinten wirft. Nicht zuletzt heißt das, dass man vor der Rente ein Jahr weniger arbeiten konnte und somit ein letztes und hoffentlich ertragsreiches Gehaltsjahr verpasst.

Interessanter Weise wird in fast allen Sportarten nach Männern und Frauen unterschieden. Dies führt beispielsweise im Schulsport dazu, dass ein Junge für eine 1 deutlich mehr leisten muss, als ein Mädchen. Dies widerspricht schon irgendwie der Gleichberechtigung zumal das Argument von ungleich entwickelten Körpern nicht zählen kann, da ein pickeliger Nerd sich auch gegen den zwei Köpfe größeren Fußballkapitän behaupten muss. Es gibt ja schließlich auch unter Jungen gleichen Alters Entwicklungsunterschiede und außerdem sportliche Mädchen, die Jungen auch ohne einen Bonus schlagen können.

In vielen Unternehmen sind für Jobs Frauenquoten festgeschrieben und es werden Einstellungen nach dem Schema “Sie ist nicht wesentlich schlechter, als ihre männlichen Mitbewerber” vorgenommen. Dies ist nicht nur für betreffende Frauen schade, sondern auch für die Qualität der Arbeit nicht förderlich. In Frauen-dominierten Berufen wie dem Erziehungs- und Schulbereich werden allerdings keine Männerquoten vorgeschrieben, obwohl diese nachweislich für Jungen wichtig wären, damit diese Bezugspersonen haben und in ihrer Entwicklung zu Mädchen aufschließen können.

Dies sind nur einige Beispiele und ich bin sicher, dass für die Diskriminierung der Geschlechter noch viele weitere gefunden werden könnten. Man sieht jedoch eines sehr deutlich: Viele der Stellen, an denen Männer diskriminiert werden sind gesetzlich verankert und verstoßen meiner Meinung nach sehr offensichtlich gegen Gleichbehandlungsgrundsätze. Sie sind sehr einfach durch eine Anpassung der Gesetze und Richtlinien an die Rechtsgrundsätze zu korrigieren. Die Benachteiligung von Frauen ist vielmehr gesellschaftlicher Natur und muss durch Erziehung und richtige Schulung aus den Köpfen der Menschen entfernt werden.

Ich sehe allerdings keine Gründe, die dagegen sprechen, die Emanzipation beider Geschlechter voranzutreiben in der Hoffnung, dass es in ein paar Jahren weder auf dem Papier noch in den Köpfen einen Unterschied zwischen Mann und Frau gibt.