Interrail – Barcelona

Als wir nach langer Fahrt mit dem TGV spät abends in Barcelona ankamen und ausstiegen schlug uns als erstes die aufgestaute warme Luft der Stadt entgegen. In Paris war noch kein wirklicher Klimaunterschied festzustellen. Hier merkte man, dass man wirklich im Süden ankommen ist.
Als wir in die Metro eingestiegen waren, kam die erste Überraschung. Diese ist perfekt klimatisiert und modern. Auch die Stationen wurden scheinbar erst vor wenigen Jahren modernisiert.
Unser Hostel lag direkt neben “La Rambla” und war somit der perfekte Ausgangspunkt für Touren durch die Stadt. Selbst mitten in der Nacht schieben sich hier noch unfassbare Menschenmassen die Straße auf und ab; vorbei an Touristen verarschenden Verkäufern, die aufdringlich hässliche, quietschende und/oder blinkende Dinge an den Mann bringen wollen.

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Diese Verkäufer hatten übrigens Paris, Barcelona und Florenz gemein. Bemerkenswert ist, dass in jeder Stadt von wahrscheinlich 80% der Verkäufer der selbe Gegenstand verkauft wurde.
In Paris waren das Regenschirme, die aufgrund des Regens angeboten wurden. Diese schienen allerdings nicht besonders haltbar zu sein, zumindest war keiner der patschnass im Regen stehenden Regenschirm-Verkäufer auf die Idee gekommen, einen seiner Schirme selbst zu verwenden. In Barcelona waren es kleine Propeller, die man mit einem Gummiband in die Luft schleudern konnte und die dann rotierend und blinkend langsam wieder herunter segelten.
In Florenz wiederum war das angebotene Produkt etwas schlichter – ein Gummiball wurde auf ein Brettchen auf dem Boden gedötzt, wo er sich beim Aufprall verformte und sich langsam in seine ursprüngliche Form zurück verformte.

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DSCF4005Die Stadt hat mit den hohen und schmalen Gassen sehr viel Charme und ist wirklich nett anzusehen. Bei den hohen Temperaturen hat dies den angenehmen Nebeneffekt, dass man sich größtenteils im Schatten bewegen kann.

DSCF4006Aus dem Schatten trauten wir uns heraus, als wir den Zoo besuchten. Dieser ist wirklich sehr ansehnlich und taugt für einen mehrstündigen Aufenthalt. Unter anderem gab es dort diesen Kollegen hier zu sehen:

DSCF4026Anschließend ging es abends zum Strand, um noch ein kurzes Bad im Mittelmeer zu nehmen. Das Wasser hatte die perfekte Temperatur und war deutlich salziger, als ich es in Erinnerung hatte.

DSCF4010Am darauffolgenden Tag machten wir eine Gaudí-Tour durch Barcelona, die an der ziemlich beeindruckenden und hoffnungslos überrannten Sagrada Familie begann. Auch hier war wieder aufgrund der Menschenmassen nicht an eine Besichtigung zu denken.

DSCF4028Weiter ging es in den von Gaudí entworfenen Park Güell.

DSCF4032Hier kämpften wir uns immer weiter den Berg hinauf, um einen schönen Blick über die Stadt zu haben. Während die Touristendichte schon immer geringer wurde, lasen wir vom Geheimtipp, dass der Blick auf einem benachbarten Berg noch viel besser sei. Wir stiefelten also hinüber und kamen schließlich bei einer Bunkerruine an, die während des zweiten Weltkrieges errichtet wurde und mit Luftabwehrgeschützen vor Bombardierungen schützen sollte.

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Von hier hatte man tatsächlich einen unfassbaren Blick über die ganze Stadt. Aktuell wird die Ruine gerade renoviert, aber die Bauzäune hielten weder uns noch die anderen Besucher davon ab, die Aussicht zu genießen. Ich glaube für Silvester in Barcelona wäre dies der Ort der Wahl :).

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Hier ist der Ort noch mal von oben zu sehen. Aufgenommen von Apple Maps bei dem sowohl dieser Ort als auch der Rest von Barcelona mit 3D-Gebäuden sehr beeindruckend aussieht.
Screen Shot 2014-08-17 at 17.34.29Auch in Barcelona wollten wir einen Tag vor Abreise die Zugreservierungen für die nächste Fahrt nach Genf kaufen. Am Bahnhof stellten wir uns also an der langen Schlange an, nur um dann von der Verkäuferin zu erfahren, dass man Interrail-Reservierungen hier nur für den selben Tag kaufen kann – wir müssen also am nächsten Tag wieder kommen. Am Abreisetag standen wir also mit gepackten Rucksäcken bereits um 9 Uhr in der selben Schlange, um dann – oh Überraschung – zu erfahren, dass alle verfügbaren Tickets bereits weg sind. Auf die Nachfrage, ob es denn noch eine andere Verbindung gäbe, verwies uns der Verkäufer an den Informationsstand, an dem wir uns dann noch mal anstellen durften. Der Bahnangestellte dort erklärte uns, dass wir nur noch mit der Regionalbahn aus Spanien heraus fahren können (dafür aber ohne Reservierung). Die Bahn hält direkt hinter der Französischen Grenze und von dort aus kann es dann mit dem TGV weiter gehen. Den könne er uns allerdings nicht reservieren, weil das ja ein ausländischer Zug sei. Komisch, dass man das sowohl bei der Italienischen als auch bei der Schweizer Bahn konnte. Wir fuhren also auf blauen Dunst in das Grenzdorf Cerbère und fanden dort glücklicher Weise einen besetzten Schalter vor, der uns anschließend Reservierungen bis nach Genf verkaufte.

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Interrail – Paris

Für den Sommerurlaub buchten Tobi und ich in diesem Jahr Interrail-Tickets, um uns Europa anzuschauen. Wir entschieden uns für die Variante mit 5 Tagen Zugfahrt innerhalb von 10 Tagen. Die erste und die letzte Reise (sowie alle Reisen zwischendurch, die das Heimatland kreuzen) muss man selbst bezahlen. Wir buchten also ein reguläres Ticket und fuhren über Mannheim nach Paris.
Dort übernachteten wir im St. Christopher’s Inn, das – wie sich herausstellte – zu einer hervorragenden Hostel-Kette gehört.
DSCF3981Die Stadt präsentierte sich leider mit ziemlich bescheidenem Wetter. Wir liefen im Regen an den Sehenswürdigkeiten vorbei und blieben nur für einen Tag.
DSCF3965Insgesamt bin ich von Paris etwas enttäuscht; Ich hatte mir irgendwie mehr erhofft. Die touristischen Attraktionen und deren Umgebung sind ohne Zweifel sehr nett gemacht. Der Rest der Stadt war dafür allerdings auch ziemlich unspektakulär und belanglos. Der schönste Ort war noch das Künstlerviertel Montmartre, durch das wir zwischen den Regenschauern liefen.
DSCF3949In Paris habe ich gelernt, dass der Fußverkehr mit schnellen Ampelphasen hervorragend funktioniert. Hier sind die Ampeln nicht grün, bis auch die hinterletzte Oma es über die Straße geschafft hat, sondern es gibt schnelle rot/grün-Wechsel, die automatisch erfolgen ohne dass man einen Knopf drücken muss. Wenn es rot ist und kein Auto kommt geht der Franzose trotzdem über die Straße.
DSCF3979Außerdem fiel auf, dass die Stadt grundlegende Probleme zu haben scheint. Sie ist voll mit Ratten, die wir abends auch sehen durften, und wir kamen an mehreren Läden vorbei, sie sich auf Ungezieferbeseitigung spezialisiert hatten.
Die berühmte Pariser Metro ist außerdem in einem schlechten Zustand. Die Bahnhöfe sind durchgängig hässlich und dreckig; die Bahnen sind laut und umkomfortabel. Umso lustiger, dass die Firma, die in Paris die U-Bahn betreibt “RATP” heißt. Wenn man sowieso ein Rattenproblem hat und es in der kompletten Metro nach Urin riecht, ist das vielleicht nicht der cleverste Name für einen Verkehrsbetrieb.
DSCF3939Es ist übrigens tatsächlich so, dass der Franzose, den man tagsüber auf der Straße trifft, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein Baguette unter dem Arm hat, das er durch die Gegend trägt.
DSCF3986Kurz vor der Abreise nach Barcelona fällt am Bahnhof auf, dass der Betrieb in Frankreich etwas anders läuft. Hier erfolgt eine Zuteilung der Züge auf die Gleise “on demand”. Bis 5min vor der Einfahrt ist nicht klar, auf welchem Gleis der Zug kommt. Dies führt zu vollen Hallen vor den Gleisen und riesigen Menschenmassen, die sich schlagartig auf den Weg machen. Vermutlich kann man so aber flexibler auf Unvorhergesehenes reagieren.
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